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Gedanken zu

Zeit

Wir nehmen nur einen winzigen Ausschnitt aus den natürlichen Abläufen direkt wahr. Manches erschließen wir uns mit technischen Hilfsmitteln. Das Wachsen und die Bewegungen von Pflanzen (Abläufe von Stunden) können mit Zeitrafferfilmen sichtbar gemacht werden, eine chemische Reaktion (Abläufe von Mikrosekunden) mit Zeitlupenfilmen. Wieder anderes erschließen wir uns durch wissenschaftliches Forschen und Denken. So konnte das Alter der Erde über die Halbwertzeit des Zerfalls von Uran zu Blei berechnet werden. Dennoch fällt es uns schwer, in langen Zeiträumen zu denken, wir beschäftigen uns im Alltag gewöhnlich nur mit unserer persönlichen Geschichte und unserer unmittelbaren Zukunft (und der unserer Kinder und Enkel, soweit vorhanden).

Lange Zeit

Das Ende des jetzigen Interglazials kommt bestimmt, auch das Ende der aktuellen Eiszeit, ebenso das nächste große Erdbeben, die nächste Flut, der nächste Ausbruch des Vulkans, der nächste Meteoriteneinschlag, das Ende der fossilen Brennstoffe und vieles mehr. Auch wenn der genaue Zeitpunkt nicht bekannt ist, können wir sicher sein, dass es passieren wird, auch wenn wir es persönlich vielleicht nicht erleben, denn unsere Lebensspanne ist relativ winzig.

Mal angenommen, das Weltall ist ein Jahr alt. Dann ist die Erde 14 Wochen alt, vor 6 Tagen tauchten die Dinosaurier auf und verschwanden vor 38 Stunden wieder. Vor 6 Stunden gab es die ersten Menschen und vor 4,2 Sekunden begann unsere Zeitrechnung. Unsere Lebensdauer ist durchschnittlich 0,17 Sekunden.

Auch die uns bekannte Geschichte ist nur ein winziger Bruchteil der Erdgeschichte. Wir wissen nur wenig Genaues aus der Vergangenheit, diverse Chronologien (Chronologien der Altorientalischen Geschichtsschreibung, Ägyptische Chronologie) sind umstritten, absolute Chronologien nicht sehr verlässlich. Steinerne Zeugen aus untergegangenen Zivilisationen geben viele Rätsel auf.

Man weiß, dass Menschen recht vergesslich sind (Vergessenskurve). Außerdem verschwimmt die Grenze zwischen echten Erinnerungen und fiktiven Erinnerungen mit der Zeit immer mehr

Viele glauben, dass die kulturelle Entwicklung linear ablief, in Wahrheit gab es auch Rückschläge in der Entwicklung. Es gibt in vielen Kulturen Mythen über eine große Sintflut. Das römische Imperium ist versunken und in das dunkle Mittelalter übergegangen. Der technische Entwicklungsstand der Römer wurde erst Mitte des 19. Jahrhunderts wieder erreicht.

Das bedeutende Königreich Khmer-Königreich Kambuja ist erst vor 600 Jahren untergegangen. Im Bereich Angkor gibt es noch heute tausende von Tempelbauten und Reste gigantischer Wasserregulationsanlagen. Dennoch weiß man nur sehr wenig über diese Kultur, ebenso über die Sumerer, Babylonier, Ägypter, Mayas, Inkas, Azteken und viele andere Völker. Viele Kulturen sind untergegangen und ihre Spuren wurden oftmals von der Zeit oder nachfolgenden Kulturen verwischt, ihre Geschichten wurden vergessen, missverstanden oder umgeschrieben. Es könnte schon mehrere technisch weit entwickelte Zivilisationen auf der Erde gegeben haben, von denen wir heute keine Spur mehr entdecken können.

Die Menschen haben viele Geschichten und teilen sie in fiktive und wahre ein. Aber so einfach ist es nicht, sogenannte fiktive Geschichten enthalten Wahres und die angeblich wahren Geschichten sind teilweise fiktiv. Einiges von dem, was als historisches Wissen an den Schulen gelehrt wird, gehört vielleicht eher zu den identitätsstiftenden Legenden. Lediglich über die letzten 400 Jahre sind sich die Historiker im Großen und Ganzen einig, wobei allerdings die Wahrheit von den jeweils mächtigen Interessengruppen bstimmt wird.

Zeitalter

Die Archäologen und Biologen teilen die Vergangenheit in Zeitalter ein, um sich zu orientieren.

Mill. Ära Periode / Epoche Merkmale
4650 Präkambrium Hadaikum Formation der Erde, Einschläge großer Meteoriten, Bildung der Hydrosphäre
4030 Archaikum Mikroorganismen
2500 Proterozoikum Pilze, Algen
570 Paläozoikum Erdaltertum Kambrium Weichtiere, Krebse
510 Ordovizium Fische
440 Silur Blütenpflanzen
410 Devon Amphibien, Insekten
360 Karbon Reptilien, Farnwälder
290 Perm
245 Mesozoikum Erdmittelalter Trias Warmzeit, Dinosaurier, erste Säuger
208 Jura Vögel
145 Kreide große Säuger, Primaten; Trennung der Kontinente
65 Känozoikum Erdneuzeit Tertiär Paläozän Aussterben der letzten Dinosaurier
56 Eozän
35 Oligozän Indischer Kontinent trifft auf Asien
23 Miozän Hominiden
5 Pliozän Beginn der jetzigen Eiszeit
1,5 Quartär Pleistozän Menschen
,01 Holozän

Die letzen 1500 Jahrtausende (Menschheitsgeschichte) werden noch weiter unterteilt.

Taus. Zeitalter belegte Techniken
1500 Stein- (Pleistozän) Paläolithikum Steinwerkzeuge, Feuer, ...
40 Mesolithikum Jagdwaffen, Schmuck, Haustiere, Musikinstrumente, ...
11 Neolithikum (Holozän) Ackerbau, z.T. Kupferverwendung, ...
6,5 Bronze- Schmuck und Werkzeuge aus Bronze, Silber und Gold; Astronomie, ...
2,5 Eisen- Geräte und Werkzeuge aus Eisen, Kanalisation, Viadukte, Windkraft, Wasserkraft, Münzgeld, ...
0,3 Industrie 1 Dampfmaschine, ...
0,1 Industrie 2 Elektrizität, Erdöl, ...
0,05 Atom- Informations- Industrie 3 Atomkraft, Computer, ...
0,0 Automatisierungs- Industrie 4 Automaten, Roboter, ...

Kurze Zeit

Rhythmen, Perioden, und Zyklen

Tag und Nacht - 24 Stunden

Tag (die Zeit zwischen Sonnenaufgang und -untergang) und Nacht waren früher in jeweils 6 Doppelstunden oder 12 Stunden eingeteilt. Die Nachtstunden im Winter waren wie die Tagesstunden im Sommer deutlich länger als die Tagesstunden im Winter und die Nachtstunden im Sommer. Zur Wintersonnenwende waren die Nachtstunden in unseren Breiten doppelt so lang wie die Tagesstunden.

Die Germanen haben nicht die Tage, sondern die Nächte gezählt, denn die Nacht war nach ihrer Auffassung die Mutter des Tages. Jede Nacht gebiert einen neuen Tag, und jeder Tag stirbt wieder. Noch vor 500 Jahren endeten und begannen in Europa die Tage bei Sonnenuntergang, d. h. nach Sonnenuntergang schrieb man schon das neue Datum.

Der Tagesrhythmus ist uns am nächsten, denn wir müssen – wie alle höheren Tiere – schlafen und sind nachts aufgrund der Dunkelheit eingeschränkt. Wir haben eine zum Tagesrhythmus synchrone innere Uhr, die sich mittels Tageslicht innerhalb einer Woche auf eine Verschiebung einstellen kann (Jetlag).

Woche – 7 Tage

Der Mond verändert rhythmisch seine Gestalt. Auf Vollmond folgt der abnehmende Halbmond (linke Hälfte leuchtet), dann der Neumond, darauf der zunehmende Halbmond (rechte Hälfte leuchtet) und schließlich nach einem synodischen Monat wieder der Vollmond. Man kann so vier Phasen unterscheiden. Jede dieser Phasen dauert etwa 7 Tage, also eine Woche.

Die Wochentage sind benannt nach den 7 klassischen “Planeten”: Sonne (Sonntag), Mond (Montag), Mars (Ziu: Dienstag, Tuesday, Mardi), Merkur (Mercredi), Jupiter (Donar: Donnerstag, Thor: Thursday), Venus (Freia: Freitag) und Saturn (Saturday). Die Reihenfolge der Tage ergibt sich aus der Geschwindigkeit der Planeten und einer Stern-Symbolik: Von der Erde aus gesehen läuft der Mond am schnellsten, es folgen Merkur, Venus, Sonne, Mars, Jupiter und Saturn. Zeichnet man nun die Planeten in dieser Reihenfolge an einen Kreis und verbindet sie dann entsprechend der Reihe der Wochentage, erhält man einen Siebenstern, die kosmische Lyra.

Der 7. Tag in der Schöpfungsgeschichte in Genesis, der Ruhetag, ist der Sabbat, der Samstag. Kaiser Konstantin jedoch weihte dem christlichen Gott den Sonntag, und so wurde dieser Tag der 7. Tag bei den Christen. Die deutsche Bezeichnung Mittwoch weist somit auch darauf hin, dass mal Sonntag der erste Tag der Woche war und Samstag der letzte.

Jahr – 12 Monate

Ursprünglich wurde ein Mondzyklus (Vollmond bis Vollmond) Monat genannt. Diesen Zyklus nennt man heute synodischen Monat. Er ist 29,53 Tage lang. In einem Jahr gibt es 12,37 Zyklen. Das sind 12 Zyklen plus 10,88 Tage. Der 13. Monat ist also unvollständig. Deshalb können die Monate in einem Sonnenkalender wie unserem Gregorianischen Kalender nicht synchron zu den Mondphasen sein.

Wir haben heute 12 Monate pro Jahr, von denen 11 entweder 30 oder 31 Tage lang sind. Für den ursprünglich letzten Monat des Jahres, den Februar, bleiben noch 28 oder 29 Tage übrig. Die Römer hatten die Monate nummeriert. Das ist bei den Monaten September (der 7.) bis Dezember (der 10.) heute noch im Namen enthalten. Der erste Monat des Jahres war der März, der Monat des Frühjahrsäquinoktium (etwa 21. März), in dem die Sonne ihre alljährliche Bahn durch den tropischen Zodiak beginnt. Im Jahre -153 änderten die Römer den Jahreswechsel auf den 1. Januar. In Russland begann das Jahr noch bis 1500 am 1. März, in deutschen Landen bis 1200 und in England bis 1752 am 25. März. Das iranische Jahr beginnt am astronomischen Frühlingsanfang (Nouruz), ebenso das Bahai-Jahr.

Ein Jahr dauert durchschnittlich 365,24219879 Tage. Es ist aufgrund der Störeinflüsse der Planeten nicht immer gleich lang. In der Praxis kommen wir mit 365 und alle 4 Jahre 366 Tagen (außer dreimal pro vierhundert Jahren) pro Jahr gut zurecht. Zwar verschieben sich astronomische Ereignisse wie Sonnenwenden und Jahresanfang jährlich um knapp 6 Stunden, aber durch den Schalttag wird das im 4. Jahr wieder ausgeglichen.

Durch die Neigung der Erdachse werden die in unseren Breiten deutlich ausgeprägten Jahreszeiten hervorgerufen. Zur Sommersonnenwende (um den 21. Juni) ist auf der nördlichen Erdhalbkugel die kürzeste Nacht (bei uns weniger als 8 Stunden) und der längste Tag des Jahres. Dann fallen die Sonnenstrahlen über 16 Stunden täglich und mittags recht steil auf die Erdoberfläche, wobei sie den hier kürzesten Weg durch die Atmosphäre haben. Zur Wintersonnenwende scheint die Sonne nur knapp 8 Stunden und steht mittags besonders tief, die Strahlen müssen nun den längsten Weg durch die Atmosphäre zurücklegen, wobei sie unterwegs Energie abgeben, so dass nur noch ein Viertel der “Sommerenergie” ankommt. In Deutschland eilen die jahreszeitlich bedingten Wetterereignisse den Sonnenwenden etwa 4 Wochen nach, weil unsere Luft meist vom nahen Wärmespeicher Atlantik her kommt.

Die Form der Erdbahn ist ganz leicht elliptisch (numerische Exzentrizität zur Zeit etwa 0,02), d. h. es gibt sonnennähere und sonnenfernere Bahnsegmente. Dadurch schwankt die Stärke der Sonnenstrahlung auf der Erde. Im Perihel liegt der Wert etwa 3,4% oberhalb und im Aphel etwa 3,3% unterhalb des Jahresmittels. Zur Zeit befindet sich die Erde im Winter (Nordhalbkugel) im Perihel, wodurch die Effekte auf die Temperaturen im Winter sich teilweise kompensieren. In 11.000 Jahren werden sich die Effekte verstärken, weil sich die Erde im Winter im Aphel befinden wird (siehe unten Präzession).

Durch den Einfluss der anderen Planeten, besonders Jupiter und Saturn, verändert sich die Umlaufbahn der Erde periodisch. Addiert man alle Effekte auf, ergibt sich hauptsächlich eine Periodendauer von 100.000 Jahren.

Chaldäische Periode

Die Mondbahnebene ist um etwa 5° gegenüber der Sonnenbahn geneigt. Bei jedem Umlauf des Mondes um die Erde kreuzt der Mond deshalb zweimal die Ekliptik (Ebene der Erdbahn um die Sonne). Die beiden Schnittpunkte nennt man aufsteigenden bzw. absteigenden Mondknoten oder Drachenkopf bzw. Drachenschwanz. Von Drachenkopf zu Drachenkopf bzw. von Drachenschwanz zu Drachenschwanz braucht der Mond etwa 27,21222 Tage. Dieser Zeitraum wird drakonitischer Monat genannt.

Nach 19 Durchgängen der Sonne bzw. 242 Durchgängen des Mondes durch diese Knoten, also 242 drakonitischen Monaten haben Sonne, Erde, Mond und Knoten wieder annähernd die gleiche Konstellation erreicht, d.h. die Knoten sind einmal durch den Zodiak gewandert. Der Zeitraum entspricht ziemlich genau 223 synodischen Monaten oder 18 Jahre und 10 Tage (bei 5 Schaltjahren), die alten Babylonier (19. bis 7. Jahrhundert vor Christus) nennen ihn auf ihren Keilschrifttafeln 18-Jahre-Periode (auch bekannt als Saros-Periode).

Die scheinbaren Größen von Mond und Sonne sind, von der Erde aus gesehen, ziemlich gleich. So treten in diesem Zeitraum etwa 41 Sonnenfinsternisse (davon 10 totale) und 29 Mondfinsternisse auf, die sich in der folgenden Saros-Periode dann wiederholen. Mondfinsternisse folgen Sonnenfinsternissen oder gehen ihnen voraus, und zwar im Abstand von rund zwei Wochen, denn Sonnenfinsternisse treten natürlich bei Neumond, und Mondfinsternisse treten bei Vollmond auf.

Eine kleine Differenz von 0,03344 Tagen in den Vielfachen der drakonitischen und der synodischen Monate bewirkt, dass sich die Bedingungen langsam ändern. Gewisse Finsternisse im Zyklus fallen nach etwa 70 Zyklen weg und neue treten hinzu.

Während die Mondfinsternisse von der halben Erde aus gesehen werden können, sind Sonnenfinsternisse nur von kleinen Korridoren der Erdoberfläche aus sichtbar, weil der Mond viel kleiner als die Erde ist.

Die Mondbahn ist elliptisch. Der erdfernste Punkt (406.000 km) heißt Apogäum, der erdnächste Punkt (356.000 km) – genau gegenüberliegend – Perigäum. Beide Punkte liegen auf der großen Achse der Mondellipse. Alle 6 Jahre überlagern sich diese Achse und die Verbindungslinie zwischen den Mondknoten.

Platonisches Jahr

Die Erdachse ist gegenüber der Ekliptik (Sonnenbahnebene) um etwa 23,5° geneigt, wodurch – wie schon gesagt – die Jahreszeiten hervorgerufen werden. Die Erdachse zeigt im aktuellen platonischen Monat in Richtung von Alpha des kleinen Bären, in etwa 12.000 Jahren jedoch wird Vega (Alpha Lyrae) die Funktion des Polarsterns innehaben, denn im Laufe von etwa 25.920 Jahren beschreibt die geneigte Erdachse eine Kreiselbewegung. Diesen Zeitraum nennt man platonisches Jahr.

25.920 kann man auch schreiben als 6*6*Fakultät(6), kurz 666! Die Zahl 666 wiederum ist die Summe der ersten 36 natürlichen Zahlen, die Summe der Quadrate der ersten 7 Primzahlen und die Summe der ersten 100 Nachkommastellen der Kreiszahl.

Der Zodiak ist der Tierkreis der Fixsternbilder, durch die die Sonne im Laufe des Jahres von der Erde aus gesehen scheinbar hindurch wandert. Er besteht aus den bekannten 12 Sternbildern Widder, Stier, Zwilling, Krebs, Löwe, Jungfrau, Waage, Skorpion, Schütze, Steinbock, Wassermann und Fische.

Durch die Kreiselbewegung wandert der Frühlingspunkt (Frühjahrsäquinoktium und Startpunkt des tropischen Zodiak) durch die Sternbilder des siderischen Zodiak. Dies nennt man auch “Präzession der Äquinoktien“.

Der Beginn des tropischen Widder und damit der Beginn des tropischen Zodiak bewegt sich in etwa 200 Jahren vom siderischen Sternbild Fische in das Sternbild Wassermann hinein. Deshalb sprechen viele Menschen heute auch vom beginnenden Wassermann-Zeitalter, welches das seit etwa 1.950 Jahren andauernde Fische-Zeitalter ablösen wird. Allerdings ist der Zeitpunkt nicht genau bestimmbar, weil einerseits niemand weiß, wo die Grenze zwischen den Sternbildern genau ist und weil andererseits die Sternbilder unterschiedlich groß sind.

Die Neigung der Erdachse schwankt periodisch im Laufe 41.000 Jahren zwischen 22,1° und 24,5°. Zur Zeit liegt die Neigung bei 23,43° und bewegt sich auf das Minimum zu, wodurch die Jahreszeiten sich abmildern. Außerdem gibt es eine durch den Mond hervorgerufene kleine Pendelbewegung im Zyklus von etwa 19 Jahren, die man Nutation nennt.

Galaktisches Jahr

In etwa 210 Millionen Jahren umkreist die Sonne das Zentrum der Milchstraße. Dabei kreuzt sie etwa alle 30 bis 45 Millionen Jahre die Galaxie-Scheibe.

Sonnenflecken

Alle 11 Jahre nimmt die Anzahl der Sonnenflecken deutlich zu, womit mehr Sonnenmaterie in den Raum geschleudert wird. Die auf die Erde treffende Strahlung erhöht sich dadurch um etwa 0,1%.

Eiszeiten

Im 19. Jahrhundert setzte sich die Erkenntnis durch, dass es Eiszeiten gegeben hatte, sogar mehrere. Die Milanković-Zyklen beschreiben die klimawirksamen astronomischen Umstände, nämlich die Überlagerung der verschiedenen Zyklen der Exzentrizität, der Erdachsenneigung, der Präzession, der Sonnenfleckenaktivitäten und Einflüsse der anderen Planeten. Mit diesen Zyklen kann man die Interglaziale während der Eizeiten erklären.

Während es im Laufe der Geschichte für eine Milliarde Jahre gar keine Eiszeit gab, häuften sie sich zu anderen Zeiten. So gab es mehrere Eiszeiten in der Zeit vor 800 – 550 Millionen Jahren (Cryogenium) und vor 350 – 250 Millionen Jahren (Karbon, Perm). Zur Zeit ist auch eine Eiszeit (Känozoisches Eiszeitalter), sie hat vor 33,5 Millionen Jahren begonnen.

Die großen Eiszeiten werden durch Effekte auf der Erde selbst hervorgerufen. Je nach Lage der Kontinente (Meeresströmungen und Gebirge) und je nach geologischer Aktivität (Vulkane) bilden sich an den Polen Eiskappen oder auch nicht.

Innerhalb der Eiszeiten gibt es kältere (Glaziale, jeweils für 85.000 Jahre) und wärmere Phasen (Interglaziale, jeweils für 15.000 Jahre). Wir befinden uns in einem Interglazial, das vor 10.000 Jahren begonnen hat und noch 5.000 Jahre andauern wird. Solche Interglaziale gab es in dieser Eiszeit schon viele, sie beginnen seit 700.000 Jahren regelmäßig alle 100.000 Jahre. Am Ende des jetzigen Interglazials, also im Jahr 7000, werden die Temperaturen um 15 Grad fallen. Dann wird es in der Sahara wieder regnen und die nördlichen und südlichen Länder werden vergletschern, so wie vor diesem Interglazial. Damals vor 13.000 Jahren war das Eis erheblich dicker und der Meeresspiegel um 120 Meter niedriger als zurzeit. Die Gletscher von Norden reichten bis Dänemark und die Alpengletscher bis Mitteldeutschland. Skandinavien lag unter einer 4 km dicken Eisschicht. Die Nordsee, soweit nicht unter Eis, lag trocken und war besiedelt, die Siedlungsreste hat man zum Teil gefunden. Man konnte den Ärmelkanal und die Beringstraße durchwandern, so dass außer Australien alle Kontinente miteinander verbunden waren.

Neben den durch die Milanković-Zyklen gerade beschriebenen Änderungen der Durchschnittstemperatur im 100.000-Jahre-Zyklus gab und gibt es auch noch kleinere überlagerte Schwankungen, die von der Sonnenfleckenanzahl hervorgerufen werden. Vor 600 Jahren wurde es weltweit um etwa 3 Grad kühler, seit 200 Jahren steigen die Temperaturen wieder auf die Werte von vor 1400 an.

Sollte aber die seit 33,5 Millionen Jahren andauernde Eiszeit irgendwann insgesamt zu Ende gehen, werden die Durchschnittstemperatur um etwa 20 Grad und der Meeresspiegel um 80 Meter steigen. Niemand weiß, wann genau das passiert, nur, dass es irgendwann geschehen wird. Alles hängt von der Kontinentalplattendrift und von den Meeresströmungen ab.

Der Kohlendioxidgehalt der Atmosphäre folgt der Temperatur mit einem Versatz von 600 Jahren. Der Grund ist, dass die Kohlendioxidlöslichkeit im Meerwasser mit steigender Temperatur abnimmt und so das im Meerwasser gelöste Kohlendioxid bei Erwärmung langsam ausgast. In Warmzeiten ist die Konzentration schließlich recht hoch, zum Beispiel 1700 ppm in der Kreidezeit, in Eiszeiten wie der jetzigen liegt sie deutlich niedriger. Während der vergangenen 800.000 Jahre variierten die CO2-Konzentrationen zwischen 180 und 210 ppm während der Glaziale und stiegen auf Werte zwischen 280 und 300 ppm in den wärmeren Interglazialen. Im aktuellen Interglazial (8000 v. Chr. bis 7000 n. Chr.) liegt sie in den letzten Jahrzehnten zivilisationsbedingt 130 ppm höher als üblich.

Ohne den natürlichen Treibhauseffekt, der zu 70 % durch Wasserdampf verursacht wird, gäbe es uns nicht, denn die globale Durchschnittstemperatur wäre dann -18° Celsius statt +15° Celsius.

Erdmagnetfeld

Das Magnetfeld der Erde, das das Leben auf der Erde vor den hochenergetischen Strahlen in den Sonnenwinden schützt, kehrt sich scheinbar unregelmäßig um, durchschnittlich alle 250.000 Jahre. Es vergingen jedoch auch schon mal 200 Millionen Jahre ohne Veränderung, und dann gab es wieder Schübe mit vielen Änderungen in nur wenigen zehntausend Jahren. >Kürzlich entdeckten Wissenschaftler ein System in dieser Verteilung.

Die Umpolung dauert jeweils mehrere hundert Jahre und vollzieht sich, indem das Gesamt-Magnetfeld sich immer mehr abschwächt und sich anschließend entgegen gesetzter Richtung neu aufbaut. Die letzte Umpolung fand vor 780.000 Jahren statt. Zur Zeit schwächt sich das Feld schnell ab. Seine Stärke liegt heute je nach Ort zwischen 30 und 65 µTesla. Zum Vergleich: man kann Eisen bis auf 2 Tesla magnetisieren, der stärkste stabile Supraleiter-Elektromagnet im Labor erzeugt 40 Tesla, ein Mikrowellengerät hat im Abstand von 30 cm lediglich zwischen 4 und 8 µTesla.

Verursacht wird das Erd-Magnetfeld hauptsächlich durch große Konvektionsströme ionisierter Flüssigkeiten im Erdinneren. Die durch diese veränderlichen und zeitweise turbulenten Ströme erzeugten Magnetfelder bilden gemeinsam das relativ stabile Erdmagnetfeld.

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Raum

Wir nehmen nur einen winzigen Ausschnitt der natürlichen Vorgänge und Dimensionen direkt wahr. Durch die Technik wird unser Beobachtungsbereich zwar stark erweitert. Es ist aber offensichtlich, dass es vieles gibt, was wir nicht erkennen, weil es zu groß oder zu klein für unsere Sinne und für unsere Technik ist.

Makrokosmos

Wir werden bewegt

Die Erde ist von unzähligen Gestirnen umgeben. Von überragender Bedeutung sind für uns Menschen natürlich die Sonne und der Mond. Stonehenge in Südengland ist eine mindestens 5000 Jahre alte Anlage zur Beobachtung des Laufes von Sonne und Mond.

Der Lauf der Sonne steht in deutlichem Zusammenhang mit dem Rhythmus der Jahreszeiten, der Vegetation, der Lebensumstände der Menschen. Der Mond ist wesentlich für die Gezeiten und die nächtliche Dunkelheit. Um Planungssicherheit bemüht, entwickelte man Kalender und entdeckte vor über 2500 Jahren die Chaldäische Periode, den Rhythmus, der Sonnen- und Mondfinsternissen zugrunde liegt.

Auch die fünf Planeten Merkur, Venus, Mars, Jupiter und Saturn sind gut sichtbar. Die Venus ist in der Dämmerung als Morgenstern oder Abendstern unübersehbar. Merkur ist seltener zu sehen, denn er ist klein und der Sonne recht nahe. Der Mars erscheint leicht rötlich am Nachthimmel und bewegt sich mit scheinbar wechselnder Geschwindigkeit und Richtung. Jupiter und Saturn sind nachts als deutliche Lichtpunkte auszumachen. Die insgesamt 7 sichtbaren wandernden Himmelskörper sind die Planeten (Wandersterne) der alten Astrologie, die schon vor über 3000 Jahren in Babylonien, Assyrien und Ägypten studiert wurde.

Schon in der Antike war bekannt, dass die Erde eine Kugel ist, die sich um sich selbst rotierend um die Sonne bewegt. Griechische Philosophen haben es in ihren Schriften erwähnt.

Mikrokosmos

Die Welt der Atome übersteigt die menschliche Vorstellungskraft. Alle existierenden Modelle beschreiben diese Welt nur teilweise. Als Arbeitshypothesen sind sie in gewissen Kontexten brauchbar, aber sie sind nicht umfassend und nicht exakt. Es gibt viele quantenmechanische Phänomene, die unbegreiflich sind und jeder Logik zu widersprechen scheinen. Kein Mensch weiß wirklich, wie ein Atom aussieht und was genau ein Atom ist.

Maße

Das Licht legt im Vakuum pro Sekunde etwa eine Entfernung von 300.000 Kilometern zurück. Ein Lichtjahr ist die Entfernung, die das Licht in einem Jahr zurücklegt.

Licht durchquert

Eine Astronomische Einheit (AE) ist die durchschnittliche Entfernung Erde-Sonne. Sie beträgt etwa 149.500.000 Kilometer oder 8 Lichtminuten.

Ein Parsec (“Parallaxen-Sekunde”) ist die Entfernung, von der aus gesehen die Umlaufbahn der Erde um die Sonne einen Radius von einer Bogensekunde aufweist. Das sind etwa 3,25 Lichtjahre.

Wie misst man so große Entfernungen?

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Leben

Was macht aus einer Ansammlung von Atomen, Molekülen, Nukleinsäuren ein Lebewesen? Was unterscheidet das Lebewesen vom toten Körper, von der Leiche?

Materiell nichts, daher kann man sagen, dass das Leben an sich immateriell ist, sich aber durch die Materie ausdrücken kann. Die Lebendigkeit kann man Seele nennen und sagen, alles Lebende sei beseelt.

Die Lebendigkeit ist bei geschlechtlicher Fortpflanzung bereits vor der Befruchtung in den Keimzellen vorhanden.

Leben entsteht aus Leben. Wie es zum ersten Leben auf der Erde kam ist unbekannt. Ist aber Leben da, kann es sich zu immer komplexeren Organismen entwickeln.

Nach der Oogamie entsteht nach einem evolutiv entwickelten Plan in Wechselwirkung mit der Umwelt ein lebender, beseelter Organismus, wenn die Umgebung die notwendigen chemischen Substanzen und physikalischen Bedingungen zur Verfügung stellt. Dieser Organismus erblüht und verwelkt im Verlauf seiner Lebensspanne.

Der jeweilige genetische Plan beeinflusst gemeinsam mit der Entwicklungsumgebung die körperliche Erscheinung, wie Art, Geschlecht, Größe, Proportionen, Hautfarbe, Augenfarbe, Haarfarbe, Haardicke, Haarwachstum und viele andere, sowie auch psychische Merkmale wie Impulsivität, Risikobereitschaft, Entscheidungsfreude, Empathie, Abstraktionsvermögen und anderes.

Lebewesen können sich fortpflanzen und sind je nach Komplexität zu Bewegungen, zu Schmerzempfindungen und Gefühlen, zum Kommunizieren, zu vorausschauendem Denken und zum absichtsvollen Handeln fähig.

Das Lebewesen, falls Tier oder Mensch, kann im Normalfall wach oder schlafend sein, in besonderen Fällen durch Krankheit, Vergiftung oder Verletzung auch bewegungsunfähig, amnesisch, komatös oder nur vegetativ lebendig.

Bei zu starker Schädigung des Organismus entweicht das Leben aus ihm oder genauer: Der Ausdruck von Leben durch diesen nun defekten Organismus ist fortan nicht mehr möglich. Der Körper zerfällt, denn der Organismus insgesamt ist wie die Organe und die Zellen auf eine bestimmte Umgebung angewiesen. Entfällt nur eine notwendige Voraussetzung, bricht alles zusammen wie ein Kartenhaus. Kein Leben mehr.

Was macht einen Menschen aus? Ist es seine Persönlichkeit, seine Individualität, seine Geschichte, sind es seine Erinnerungen?

Biologische Evolution

Seit einigen Hundert Millionen Jahren hat die Erde eine stabile Biosphäre, innerhalb derer sich die biologischen Lebensformen weiterentwickelt haben. Möglich wurde dies

Die Erde hat offensichtlich die Fähigkeit, günstige Lebensbedingungen zu schaffen und aufrecht zu erhalten: Strahlung, Temperatur, Sauerstoff- und Salzkonzentration sind optimal für das Leben. Die Erde ist auf geheimnisvolle Weise selbst ein lebender Organismus, in dessen Pelz wir hausen (James E. Lovelock: GAIA – Die Erde ist ein Lebewesen, Scherz 1992). Sie beherbergt neben den gut 7 Milliarden Menschen etwa 4000 Arten von Säugetieren, 1.500.000 Tierarten und 500.000 Arten von Pflanzen, darüber hinaus etwa 5.000.000 bis 40.000.000 weitere – zum großen Teil noch nicht entdeckte – Spezies, wovon die meisten Insekten, wirbellose Tiefseebewohner und Mikroorganismen (Archaea, Bacteria, Pilze, Mikroalgen, Protozoen) sind.

Lebensformen sind sehr robust und vielfältig.

Die Entstehung der Arten ist ein wundervoller Entwicklungsprozess, bei dem Umwelt und Anlagen der Lebensformen interagieren. Dies hat auch unsere Körper ermöglicht.

Lebewesen bestehen aus den gleichen Bausteinen (chemischen Elementen) wie alle Materie. Säugetiere bestehen beispielsweise zu 99 % aus den ersten 20 Elementen des periodischen Systems (Wasserstoff, Sauerstoff, Kohlenstoff, Stickstoff, Natrium, Kalzium, Phosphor, Fluor, Schwefel, Chlor u. a.), ergänzt durch Spuren der Elemente 21 bis 53 (Eisen, Zink, Jod, Kobalt, Silizium, Kupfer, Mangan, Chrom, Selen, Molybdän u. a.).

Alle Lebewesen bestehen aus Zellen. Diese sind von sehr unterschiedlicher Größe. Eine menschliche Eizelle ist beispielsweise 85000 mal so groß wie eine Spermiumzelle. Drei Gruppen werden unterschieden: Die Bacteria, die Archaeen und die Eukaryoten.

Letztere sind selbst wiederum Organismen bzw. Lebensgemeinschaften, denn sie haben Zellorganellen bzw. Bewohner mit bestimmten Aufgaben:

Zellen bestehen zu 77 % aus Wasser, zu 14 % aus Proteinen (Eiweißen) und zu 9 % Nukleinsäuren (DNA und RNA), Salzen und Polysachariden. Zellen enthalten ihren Zell-Bauplan, gennant Chromosomensatz oder Genom. Gene sind Chromosom-Abschnitte. Sie bestehen aus DNA, Informationen zur Generierung der mRNA, die wiederum Proteine herstellt.

Das Alphabet der DNA besteht aus 4 Zeichen: G, A und T, C, das der mRNA aus den Zeichen G, A, und U, C.

Die 4^3= 64 verschiedenen Basen-Tripletts der mRNA (Codon) kodieren 22 α-Aminosäuren. Bei der Proteinbiosynthese ist ein Codon (das AUG) gleichzeitig Kennzeichen für den Start der Kette aus Aminosäuren (Protein), drei andere (UAG, UGA UAA) schließen die Synthese des Proteins ab. Statistische Analysen haben ergeben, dass der Code sehr stark optimiert ist. Alle bekannten Lebewesen verwenden diesen Code, nur bei Mitochondrien sowie einigen Bakterien und Pilzen ist er leicht abgewandelt.

Meist 100 – 300 Worte (Codons) bilden einen SatzGen genannt, und sind Baupläne für Proteine. Man hat etwa 23.700 solcher Sätze im menschlichen Erbgut gefunden, diese kodieren auf noch nicht geklärte Weise allerdings ein Vielfaches an Proteinen. Das menschliche Proteom besteht aus mehr als 500.000 Proteinen.

Ein kurzes Protein ist beispielsweise Hämoglobin, welches aus 146 Aminosäuren zusammengesetzt ist, ein sehr verbreitetes längeres ist Kollagen, welches aus 1055 Aminosäuren besteht. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich Hämoglobin zufällig bildet, liegt bei 1:10^190, dass Kollagen spontan entsteht, ist so gut wie unmöglich. Für die Funktion eines Proteins ist nicht nur die korrekte Reihenfolge der 20 Aminosäuren wichtig, sondern auch die korrekte Faltung der Kette.

Das Genom des Menschen ist ein Buch mit 23 Kapiteln, 23.700 Sätzen und gut 3 Milliarden Worten.

Ein gewöhnliches Buch hat pro Seite etwa 250 Worte, so dass man 13.000 Bücher mit jeweils 1000 Seiten zum Abdrucken des Genoms bräuchte.

Allerdings ist ein Genom bei weitem nicht so einfach zu lesen wie ein Buch. Es ist in einer unbekannten Sprache geschrieben, die erst noch entschlüsselt werden muss. Die Hoffnung der Wissenschaftler auf nachvollziehbare Beziehungen zwischen Genen und körperlichen Merkmalen, auch Krankheiten, wurden enttäuscht. So bestimmen zum Beispiel bei der Körpergröße des Menschen rund 700 verschiedene Gene 80 Prozent des Größenkorridors. Die Augenfarbe (braun - grün - blau - grau), bei dunkelhäutigen Menschen gewöhnlich braun, wie überhaupt bei 90% aller Menschen, bei hellhäutigen Neugeborenen in den ersten Monaten meist bläulich, hängt hochkomplex von vielen Genen ab. Die meisten Blauäugigen gibt es um die Ostsee herum, 99% aller Esten sind blauäugig. Auch bei der Haarfarbe sind vermutlich etwa 13 Genabschnitte beteiligt und die Zusammenhänge sind bisher nur ungefähr verstanden. Die Farbe aufgrund von Gentests zu bestimmen klappt immerhin bei 90% der Rothaarigen und Schwarzhaarigen. Bei anderen Haarfarben ist die Trefferquote viel geringer. Die Haarfarbe blonder Menschen dunkelt im Laufe der ersten 10 Lebensjahre oft nach.

Die 46 Gen-Fäden einer einzelnen menschlichen Zelle haben zusammen eine Länge von immerhin 2 Metern. Alle Gen-Fäden sämtlicher Zellen eines Menschen zusammen haben aneinander gelegt eine Länge von 1 AE (Astronomische Einheit)

Das menschliche Gehirn besitzt etwa 86 Milliarden Nervenzellen, die durch etwa 100 Billionen Synapsen eng miteinander verbunden sind. Durchschnittlich ist ein Neuron demzufolge mit 1000 anderen Neuronen verbunden und könnte von jedem beliebigen anderen Neuron aus in höchstens vier Schritten erreicht werden. Es verarbeitet bis zu 2.500 GB pro Sekunde (bewusst sind davon nicht einmal ein Milliardstel, also 2,5 kB/s) bei einer Leistungsaufnahme von nur 15 bis 20 Watt. Die dafür benötigte Energie kann mit täglich lediglich 120 g Glucose oder 60 g Ketone bereitgestellt werden.

Das Gehirn ist sehr anpassungsfähig, besonders im jungen Alter. Es gibt Menschen, denen wurde im frühen Kindesalter das halbe Gehirn operativ entfernt oder sie hatten von Geburt an ein unvollständiges Gehirn und sie leben dennoch ganz unauffällig ohne Einschränkungen. Andererseits führen gewisse Erkrankungen des Gehirns (Alzheimer, Durchblutungsstörungen, Parkinson) zu irreversiblen geistigen Beeinträchtigungen. Der fortgeschritten demente Mensch lebt zwar, doch ein großer Teil seiner selbst scheint bereits verloren oder vorangegangen zu sein, denn er erkennt niemanden mehr.

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Wissen

Wissen kommt als Angebot der Gesellschaft von außen, als sinnliche Erfahrung oder als Gewissheit von innen. Das kulturelle Wissen ist im kulturellen Wissensspeicher enthalten. Diesen bilden die Mitmenschen, die staatlichen und kirchlichen Institutionen, die Bibliotheken, die Medien und seit 1994 das Internet. Kulturelles Wissen wird erst nach Aufnahme in das eigene Wissen nutzbar. Das kulturelle Wissen kann unwahr, umstritten und widersprüchlich sein. Um sich kulturelles Wissen zu erschließen, muss man die Sprache können, in der es abgefasst ist.

  1. Durch beiläufiges Hören oder Sehen erhält der Mensch nur passives Wissen, auf das er willentlich schon nach kurzer Zeit nicht mehr zugreifen kann. Er kann es lediglich wiedererkennen, wenn er darauf stößt. Passives Wissen hat Unterhaltungswert, es erlaubt jedoch keine eigenständige Initiative.
  2. Durch sorgfältige Beobachtung und Beschäftigung mit äußerem Wissen erlangt der Mensch aktives Wissen. Dieses ist per Willensakt aus dem Gedächtnis abrufbar und steht in Nachdenkprozessen zu Verfügung. Es von Nutzen, wenn er etwas verstehen, weiterentwickeln, ausarbeiten und planen möchte. Es steht für Monate, manchmal für Jahre oder das ganze Leben zur Verfügung. Bei emotionaler Erregung und im Eifer des Gefechts kann es vorübergehend abhanden kommen.
  3. Durch Einüben von Routine erlangt der Mensch schließlich integriertes Wissen, das auch ohne bewussten Willensakt bei allen Handlungen automatisch zur Anwendung kommt, selbst unter Stress.

Ziel von Lernen sollte es sein, dass die wesentlichen Zusammenhänge gelebtes, integriertes, handlungsbestimmendes Wissen werden. Dies kann nur durch viel Übung erreicht werden. Es ist ein großer Unterschied, ob man über etwas geredet oder etwas gemacht hat. Um etwas wirklich zu können, muss es so lange geübt werden, bis es in Fleisch und Blut übergegangen ist. Beim Erlernen einer sportlichen Disziplin oder eines Musikinstruments ist dies auch heute noch selbstverständlich, nicht aber beim Erlernen des Lesens, Schreibens und Rechnens. Achtet man beim Sport von Beginn an genauestens darauf, dass sich keine falschen Bewegungsabläufe einschleichen, führen weltfremde Idealisten in der Grundschule das "Schreiben nach Gehör" ein.

Das kulturelle Wissen ist zu groß, als dass es ein Mensch fassen könnte. Universalgelehrte gibt es schon lange nicht mehr. Arbeitsteilung, hier Wissensteilung, ist notwendig. Dennoch sollte es einen Grundwissenskanon geben. Das waren einmal die allgemeinschulischen Lerninhalte, die aber seit 1994 durch nichtssagende Kompetenzen ersetzt wurden. Früher wurden in den Schulen steinerne Wissensgebäude errichtet, heute werden nur noch Sandburgen gebaut. Spezialwissen macht erst Sinn, wenn es ein solides Fundament gibt. Es kommt deshalb sinnvollerweise erst während der Berufsausbildung, im Studium und im Beruf selbst hinzu und orientiert sich an Neigung, Eignung und gesellschaftlichem Bedarf.

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Erkenntnis

Auf der einen Seite gibt es die Dinge der äußeren Welt. Auf der anderen Seite die Vorstellungen von den Dingen. Beides existiert und stimmt mehr oder weniger miteinander überein. Menschen können die Welt unterschiedlich oder ähnlich wahrnehmen, haben unterschiedliche Vorstellungen.

Die Vorstellung ist das Ergebnis eines Abgleichs von Eindrücken mit schon vorhandenen Vorstellungen und Wünschen. Sie ist das Resultat einer persönlichen Wertung. Sie ist oft unvollkommen, unvollständig und womöglich verzerrt und unzutreffend.

Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt (Hey, Pippi Langstrumpf)

Zwar gibt es die objektive äußere Welt (manche bezweifeln das, aber man kann alles übertreiben), jedoch hat jeder Mensch nur einen subjektiven Eindruck, eine subjektive innere Vorstellung eines Teils davon. Je genauer ein Mensch beobachtet, je intelligenter er ist und je unvoreingenommener er wertet, desto genauer stimmen bei ihm äußere Welt und innere Vorstellung überein, was Erfolge wahrscheinlicher macht.

Platon sprach von den Ideen und den nachgeordneten sinnlichen Erscheinungen. Nach Kant gibt es das Ding an sich und dessen Erscheinung. Der Mensch kann immer nur seine Vorstellungen ausdrücken und beschreiben, nicht die Welt an sich. Das hat Nietzsche veranlasst, die von Platon postulierten Ideen und die von Kant beschriebenen Dinge an sich für praktisch bedeutungslos zu erklären.

Für uns Menschen existieren also nur unsere subjektiven Vorstellungen. Über diese Vorstellungen können wir uns mehr oder weniger verständigen. Je mehr Menschen in einer Vorstellung übereinstimmen oder übereinzustimmen glauben und je mehr Einfluss und Macht hinter einer Vorstellung stecken, desto „wahrer“ ist sie.

Menschen gleichen Geschmacks teilen Vorstellungen und Ansichten. Eine Ansicht ist nicht notwendigerweise richtig. Man kann mit seiner Ansicht völlig danebenliegen.

Die wissenschaftliche Methode zur Erkenntnis der objektiven Welt zeichnet sich dadurch aus, dass jede wissenschaftliche These, Erkenntnis, Theorie oder Modellvorstellung beliebig oft von jedermann überprüfbar und nur so lange wahr ist, bis sie widerlegt wurde. Was prinzipiell nicht widerlegt werden kann, weil es nicht überprüfbar ist, bleibt außen vor (Falsifizierbarkeit). Wissenschaft ist Erkenntnisgewinn.

Naturwissenschaftliche Erkenntnisse sind nicht bloß Ansichten, es sind ziemlich exakte Beschreibungen der Wirklichkeit, was durch darauf basierende funktionierende technische Anwendungen hinreichend bewiesen ist. Leider sind aber auch die Vertreter der Naturwissenschaften nicht immer gefeit gegen wirtschaftliche und politische Interessen: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing.“

Die Strukturwissenschaften, wie die Mathematik, die Informatik, die Kybernetik sind in sich logische Konstrukte, die nützlich sind, die objektive Welt zu beschreiben und zu verstehen. Stimmen die Prämissen, stimmen auch die Folgerungen. Diese Wissenschaften liefern sehr nützliche Werkzeuge für Naturwissenschaften und Technik.

Die Modelle der Geisteswissenschaften sind aufgrund der Komplexität der Zusammenhänge und mangels geeigneter Untersuchungsmethoden und Beweismöglichkeiten oft spekulativ. Es sind dann lediglich Ansichten, die manchmal nicht einmal naturwissenschaftliche Erkenntnisse und Logik berücksichtigen. Es wurden duch Beobachtungen dennoch wertvolle Erkenntnisse gewonnen Die größten und auch erfolgreichsten Anstrengungen in Psychologie, Pädagogik und Soziologie aber wurden und werden zum Zweck der Steuerung und Manipulation der Mitmenschen unternommen.

Die Theologie, die Volkswirtschaftslehre, die Politikwissenschaften und die Rechtswissenschaft sind primär normative Wissenschaften, sie legen Regeln fest, die das menschliche Handeln ordnen und steuern. Weil sie die Regeln mitunter zum Vorteil bestimmter Gruppen festlegen, sind sie auch Machtinstrumente zur Erhaltung von Privilegien. Wo der Theologe als letzte Begründung auf Gott zurückgreift, verweist der Wirtschaftswissenschaftler auf den Markt und der Politkwissenschaftler auf Sachzwänge.

Die moderne Schulmedizin ist sowohl Naturwissenschaft, Geisteswissenschaft als auch normative Wissenschaft. Wo die Naturwissenschaft überwiegt, ist Medizin durchaus recht erfolgreich, wie bei der Prophylaxe und Behandlung bakteriell verursachter Infektionskrankheiten und in der Unfallchirurgie. Die biologischen Zusammenhänge sind bisher aber nur teilweise und in Ansätzen verstanden, weshalb die Therapie chronischer Krankheiten in der Medizin und der Pharmakologie auf Spekulation sowie Versuch und Irrtum angewiesen ist, was man aber ungern sagt. Dass damit Geld verdient werden kann, schützt nicht gerade vor Missbrauch. Auch gründen viele Diagnosen und Behandlungen auf Verallgemeinerungen und statistischen Mittelwerten und Varianzen, die für den einzelnen Patienten nur Wahrscheinlichkeiten aber keine Gewissheiten liefern.

Die Medien sind Meinungs-Vervielfacher und schaffen so vermeintliche Wahrheiten, denn was man ständig hört und sieht, muss wohl stimmen. Je mehr Menschen in einer Vorstellung übereinstimmen, desto „wahrer“ ist sie. Medien aber haben Eigentümer, deren Interessen sie vertreten, und sind Wirtschaftsunternehmen, deren Hauptzweck der Profit ist. Innerhalb der Unternehmen sorgen hierarchische Strukturen, Anerkennung und Geld für Gehorsam. Auswahl und Inhalte der Nachrichten werden von finanzkräftigen Lobbyisten, Stiftungen, PR-Agenturen und Geheimdiensten bestimmt.

Die Politik wird von ausgesuchten Repräsentanten gestaltet. Dabei entscheiden weniger die Wähler als vielmehr die Geldgeber hinter den Kulissen, wer Karriere in der Partei macht. Somit hat der Wähler nur die Wahl zwischen vorausgewählten. Vorauseilender Gehorsam aus Karrieregründen, verfassungswidriger Fraktionszwang und die Ausgrenzung Andersdenkender unterwerfen die Parlamente den Interessen der Privilegierten. Macht wird verteidigt wie Besitz. Kann da überhaupt jemand an Macht kommen?

Für alle Bereiche gilt: Sind finanzielle oder politische Interessen im Spiel, sind die Aussagen mit Vorsicht zu genießen.

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Vernunft

Ein Mensch kann recht vernünftig sein - in gewissen Angelegenheiten, zu gewissen Zeiten, in gewissen Gemütsverfassungen, in gewissen Umgebungen. Eine fesselnde fantastische Geschichte interessiert ihn jedoch oft deutlich mehr als die Wahrheit. Und in Gruppen zählt die Vernunft des eingegliederten Einzelnen gar nicht mehr viel.

Glaube und Unvernunft können harmlos, ja sogar hilfreich sein. Glaubt man beispielsweise an die Heilkraft eines Medikaments, so vermittelt der Glaube einem das Vertrauen, das nötig ist, Krankheiten, die überwiegend psychosomatisch begründet sind, zu überwinden. Selbst ein naiver oder gar irrationaler Glaube kann auf diese Weise hilfreiche Kräfte verleihen.

Was man wissen kann, braucht man nicht zu glauben. Einiges wissen wir aus eigener Erfahrung. Einiges aus Berichten vertrauenswürdiger Mitmenschen, die es wiederum selbst erfahren haben. Und wieder anderes kennen wir nur vom Hörensagen, wobei die Quelle der ursprünglichen Erfahrung, falls es sie denn gibt, nicht mehr zu ermitteln ist.

Der Mensch sucht immer nach Sinn, Antworten und Gewissheiten. Doch wie schon Georg Rollenhagen (1542-1609) sagte:

“Wer leichthin glaubt, wird leicht betrogen.”

und mit Marie von Ebner-Eschenbach (1830-1916):

“Wer nichts weiß, muss alles glauben.”

Vieles haben wir unreflektiert übernommen, einfach weil es alle gesagt haben. Wir sind auf diese Weise stark durch Brauchtümer, Traditionen und Kultur geprägt. Das ist durchaus auch hilfreich. Doch manche dieser Überlieferungen sind viel zu undifferenziert oder gar schlicht falsch. Sie stammen aus Zeiten, wo die meisten Menschen kaum Zugang zu Bildung und Information hatten und entsprechend leichtgläubig waren. Nicht alles, was alt ist, muss auch richtig sein. Nicht alles, was immer schon so gemacht wurde, ist auch schlau. Wie schon Buddha (563-483) sagte:

“Glaube nichts auf bloßes Hörensagen hin; glaube nicht an Überlieferungen, weil sie alt sind.”

Eigentlich müssten wir viele sogenannte Selbstverständlichkeiten kritisch überprüfen. Doch das ist mitunter enttäuschend und anstrengend dazu. Schon Gaius Julius Caesar (100-44) musste erkennen:

“Gern glauben die Menschen das, was sie wollen”

und Ludwig Marcuse (1894-1971) ergänzte:

“Denken ist eine Anstrengung, Glaube ein Komfort.”

Der Verstand lässt sich, wie ein Werkzeug, für konstruktive und destruktive Tätigkeiten nutzen. Er kann planen, analysieren und Erkenntnisgewinn verschaffen, er kann aber auch verwirren, rationalisieren oder Ideologien verteidigen. Die wesentlichen Sinnfragen kann er nicht beantworten.

Wir übernehmen meist die Weltanschauung, in die wir hineingeboren wurden. Wir fühlen uns wohl in einer großen Gemeinschaft Gleichgesinnter. Leicht sehen wir dann unsere Anschauung in den schönsten Bildern und ordnen ihr alles andere unter. Wir verteidigen sie gegen jeden Einwand, wir verdrehen notfalls die Wahrheit, sind komplett unvernünftig und uneinsichtig, ohne es selbst zu bemerken. Wir sind umso leichtgläubiger und unvernünftiger, je früher, länger und öfter wir an Unsinn gewöhnt wurden, sei es durch religiöse und politische Dogmen, Propaganda, Nachrichten oder durch Fiktion in Erzählungen, Büchern, Filmen und Spielen.

Wir möchten an das Gute glauben. Wir sind empfänglich für Ideale und lassen uns leicht zum Wunschdenken verführen. Auch als Erwachsene bleiben wir unserem Wunschdenken teilweise verhaftet und wollen die manchmal weniger schöne Wirklichkeit nicht zur Kenntnis nehmen. "Weil nicht sein kann, was nicht sein darf!" Wir sind trotzig Glaubende, denen man man Argumenten und Fakten nicht beikommen kann.

Der Verantwortungsethiker denkt an das Ganze, versucht alle Folgen seines Tuns vorauszusehen, der Gesinnungsethiker befolgt mechanisch einen Satz von Regeln und Prinzipien, ohne die möglichen Folgen seines Tuns zu durchdenken.

Weder Bildung noch Intelligenz schützen vor Verblendung und Aktionismus. Mit dem Intellekt allein kann man das Leben nicht bewältigen. Ein Materialist ohne jede Spiritualität wird sich gewissen Realitäten verweigern oder an der Welt verzweifeln.

Wer vom anstrengenden und oft erfolglosen Denken müde ist, möchte einfach glauben dürfen.

Selbsterkenntnis, Achtsamkeit, Kontakt zu den eigenen Gefühlen und Intuition führen zur Vernunft und schließlich, wenn der letzte Neurotiker geheilt ist, zu einer friedlichen Menschheit.

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Religionen - Glaube - Ideologien

Religion ist das Bedürfnis eines jeden Menschen nach einem Orientierungsrahmen und einem Objekt der Hingabe. Religionen, Glaube und Ideologien verleihen dem Menschen Flügel. Glaube versetzt Berge, inspiriert und motiviert. Dabei spielt es keine Rolle, wie realistisch und vernünftig dieser Glaube ist. Je mehr er das Wunschdenken bedient, desto größer ist seine Anziehungskraft, um so der Angst und der Schuld (Drewermann), dem sicheren Tod (Fromm 1950) und dem Dilemma der autoritären Vaterbeziehung (Freud 1913) zu begegnen.

Wesentliches

Jeder von uns steht irgendwo, mit seiner Geschichte, mit seinen Wünschen, Hoffnungen und Absichten, mit seinen Ängsten und Lähmungen. Den Blick fest auf die Menschen, Bedürfnisse, Pflichten und Vergnügungen gerichtet, die uns umgeben, die wir in uns tragen, die wir uns ausgesucht haben oder die uns zugeflogen sind. Wir sind verstrickt in viele Abhängigkeiten, Details und scheinbare Zwänge. Wir haben ein Bild von der Welt und eine Haltung und Einstellung zu den Dingen, die uns täglich begegnen. Ob der vielen Eindrücke neigen wir dazu, das übergeordnete Ganze, das Wesentliche aus den Augen zu verlieren. Wir nehmen das Gewöhnliche immer weniger wahr und konzentrieren uns auf die Abweichungen und Neuerungen. Wir sind vergesslich, berücksichtigen kaum unsere eigenen Erfahrungen und schon gar nicht die der früheren Generationen. Manches wollen wir nicht sehen und verdrängen es lieber.

Es ist leicht möglich, den Blick für das Wesentliche zu verlieren. Was aber ist eigentlich das Wesentliche?

  1. Uns wurde das Leben geschenkt.
  2. Wir alle teilen die Sehnsucht nach Freude, Klarheit, Liebe und Frieden.
  3. Wir sind gesegnet mit Neugier und Phantasie.
  4. Wir haben einen wunderbaren Körper, der die Welt für uns erfahrbar macht.
  5. Wir sind umgeben von einer wahrlich großartigen Welt inmitten scheinbar unendlicher Weiten von Raum und Zeit, die uns ehrfürchtig machen und uns ein Gefühl der Erhabenheit vermitteln kann, wenn wir nur hinschauen.
  6. Wir können gestaltend in die Welt eingreifen, können willentlich Verantwortung für uns selbst und teilweise auch für andere übernehmen.
  7. Wir haben einen ausgeprägten Verstand, Zugriff auf sehr viele Informationen und können uns vielfältig innerhalb unserer arbeitsteiligen Gemeinschaft einbringen und verwirklichen.

Es ist gut, sich diese Fakten täglich bewusst zu machen, bevor der Blick auf die alltäglichen Mängel und Ungerechtigkeiten fällt.

Vorurteile und Feindbilder

Ein Vorurteil ist ein vorläufiges oder auch vorschnelles Urteil, eine Entscheidung ohne gebührende Abwägung aller wichtigen Fakten, ein Bauchgefühl, Hörensagen, eine Schätzung aufgrund von (noch) unzureichendem Wissen. Ein Vorurteil ist manchmal unvermeidlich. Nicht immer ist man auf alles perfekt vorbereitet und muss improvisieren, wenn eine unaufschiebbare Entscheidung ansteht. Vorurteile spiegeln Erfahrungen, Erwartungen und Wünsche. Sie können mit der Wirklichkeit gut übereinstimmen oder fahrlässig und unberechtigt sein.

Vorurteile, besonders wenn sie von einer Gruppe geteilt werden, können leicht zu Feindbildern führen. Ein gemeinsames Feindbild ist identitätsstiftend, stärkt den Zusammenhalt der Gruppe und erlaubt Gruppenmitgliedern, Verantwortung für jegliches Unglück auf einen Sündenbock abzuwälzen.

Feindbilder werden geschaffen durch Lügen, üble Nachrede und Propaganda. Anführer bedienen sich ihrer, um ihre Ziele zu erreichen.

Sich über andere erhaben zu fühlen, auf andere hinabblicken zu dürfen, seine dunkle Seite ungestraft oder sogar belohnt ausleben zu dürfen macht Feindbilder sehr attraktiv.

Gefahr und Missbrauch

Der Glaube ist sehr ein starker Antrieb und kann die Vernunft ausschalten. Religiöse Bedürfnisse haben ein großes Missbrauchspotential, das in der Vergangenheit immer wieder genutzt worden ist, um Menschen zu instrumentalisieren und zu beherrschen.

Ist man

verfallen, sei es durch Erziehung, Verführung oder intrinsische Motive, so ist man Teil eines autoritären Glaubenssystems. Das Objekt der Hingabe ist die jeweilige Autorität.

Der zugehörige Orientierungsrahmen kann aus Gesetzen, Bräuchen und Ritualen, Überzeugungen, Glaubenssätzen und Moralvorstellungen bestehen. Je klarer und einfacher diese sind, desto größer ist ihre Anziehungskraft. Für Intellektuelle dürfen sie aber auch gern in der Theorie kompliziert sein. Ein Feindbild gehört in jedem Fall dazu. Die vom Glauben Ergriffenen propagieren zum Zweck der Selbstidentifikation und Abgrenzung einen äußeren Feind (Teufel, Terrorist, Faschist, Nazi, Rassist, Ungläubiger, Heide, kâfir, Goi, ...) und versprechen Heil durch Anpassung und Folgsamkeit.

Autoritäre Glaubenssysteme müssen nicht unbedingt alt sein, manche gibt es erst seit wenigen Jahrzehnten. Sie müssen nichts mit Gott zu tun haben, können auch rein weltlich sein.

Die Verkünder und Anhänger autoritärer Glaubenssysteme

Besonders die Theoretiker und Intellektuellen unter ihnen sind über jeden Selbstzweifel erhaben und baden in unangemessenen Überlegenheitsgefühlen ("Wir haben den Stein der Weisheit", "Wir tun das richtige!", "Wir haben den Durchblick!" oder "Wir sind die Guten!").

Menschen, die beim Anstreben ihrer Ideale ihrem Wunschdenken erliegen und große Teile der Wirklichkeit ausblenden, provozieren mit ihrem selbstgerechten Reden und Handeln und in ihrem Hass auf ihr Feinbild unweigerlich Gewalt und Krieg.

Die Hingabe an das Leben selbst und die persönliche Orientierung an Tugenden, die es für alle lebenswert machen, gelingt nur wenigen. Sie aber finden Inspiration, Kraft und Frieden durch unterstützende Beziehungen und durch Befreiung von vermeintlichen Zwängen und Vorstellungen. Es geht ihnen um Vertrauen, Erkenntnis und Zugehörigkeit. Die Natur ist ihnen freundliches Zuhause. Sie fühlen, dass sie aufgehoben sind in etwas viel Größerem. Das Leben ist für sie ein Prozess, sie leben im Hier und Jetzt, fürchten den Tod nicht.

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Unsterblichkeit

Das Leben ist ein Wunder. Niemand kann erklären, was Leben eigentlich ist und wie es in die Welt kam. Aber es ist offensichtlich da, in vielfältiger Ausprägung. Und es entwickelt sich zu immer höherer Komplexität. Soweit wir wissen, entsteht Leben immer nur aus Lebendigem, woraus folgen würde, dass Leben keinen Anfang hat. Kann etwas, was keinen Anfang hat, ein Ende haben?

Wir sehen, dass jedes existente Lebewesen nach einiger Zeit stirbt und dass laufend neue Lebewesen in das Licht der Welt kommen. Der Raum, das Sein, das Himmelreich ist ewig und bringt die Existenzen, die Dinge, die Welt hervor und nimmt sie wieder.

Wenn wir vom ewigen Leben sprechen, so meinen wir in aller Regel nicht das Leben an sich, das Sein, sondern unser persönliches ewiges Leben, unsere Welt. Wir meinen unsere eigene metaphysische Unsterblichkeit, Auferstehung oder Wiedergeburt als wir selbst, als dieselbe Existenz, die wir jetzt sind. Das ist, woran wir glauben möchten, wenn wir am Leben hängen. Dass unser persönliches Leben eines Tages einfach so endgültig zu Ende sein soll, das wollen wir nicht wahrhaben.

Dass die Atome, die unseren Körper bilden, nach unserem Ableben irgendwann wieder Teile anderer Lebewesen sind, tröstet uns nicht. Auch die Vorstellung vom Aufgehen der Seele im All-Einen erscheint uns nicht erstrebenswert. Dass unsere Ideen vielleicht durch unsere Kinder weiterleben, ist auch nur ein unsicherer Trost. Wir wollen unsere Existenz, unsere Identität behalten, aber je konkreter unsere Vorstellungen vom persönlichen Leben nach dem Tode werden, desto unlogischer und unmöglicher werden sie auch.

Einen großen Anteil an unserer Existenz, unserer Identität haben unsere Körper und unsere Erinnerungen. Wichtig sind uns auch unsere Beziehungen, unsere Aufgaben, unser Ansehen und unsere Besitztümer.

Christen, Juden und Moslems glauben an die Auferstehung. Die aber wirft viele Fragen auf: Haben wir dann einen Körper? Falls ja, wie alt ist er dann und wie steht es um unsere Gesundheit? Was besitzen wir? Wie interagieren wir mit unseren Liebsten? Wie alt sind sie, über welche Körper und Besitztümer verfügen sie? Woran erinnern sie sich? In welchem Kontext leben sie? Sind alte Meinungsverschiedenheiten vergessen? Falls ja: Sind die Personen dann überhaupt noch sie selbst? Gibt es Handlungsmöglichkeiten unabhängig vom Kontext? Kann es ewige Harmonie und ewiges Glück geben? Können Glück, Harmonie und Zufriedenheit überhaupt wahrgenommen werden, wenn es gar nichts anderes mehr gibt? Was ist mit denen, die schon zu ihren Lebzeiten ihre Erinnerungen verloren haben? Was ist mit den Menschen, von denen wir uns längst abgewendet haben? Falls wir uns post mortem die Gerechtigkeit erhoffen, die uns unserer Meinung nach hier nicht zuteil wird: Wie soll das gehen? Wiedergutmachung? Vergeltung? Das ist alles schwer vorstellbar.

Hindus und Buddhisten glauben an Wiedergeburt im Kreislauf des Lebens. Doch es werden immer nur Menschen geboren, die sich hier erst langsam anpassen müssen und dann nur wissen, was sie hier erlebt haben. Kaum ein Erwachsener kann sich an Dinge erinnern, die passiert sind, als er jünger als drei Jahre alt war. Sie glauben an Karma, an Ursache und Wirkung, und sie erklären sich so die von vielen Menschen als höchst ungerecht empfundenen unterschiedlichen Ausstattungen wie Aussehen, Stärke, Klugheit, Elternhaus usw.

So oder so werden wir uns von unserer vertrauten Identität, von unserer Existenz, verabschieden müssen. Je mehr wir im Hier und Jetzt leben, desto weniger wird sich durch den Tod verändern.

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Bildung und Erziehung

Menschen lernen aus Neugier und Freude, weil sie jemandem gefallen möchten, später aus Interesse, Engagement, um Ziele zu erreichen oder weil sie hoffen, belohnt zu werden oder fürchten, sonst Nachteile zu erleiden. Durch Erfolgserlebnisse motiviert können sie schon in jüngeren Jahren Durststrecken wegstecken und verfolgen immer langfristigere Ziele.

Kinder sind von Natur aus lernbegeistert. Das kann man in jedem Kindergarten und auch noch in der Grundschule beobachten. Aber weder haben alle Kinder die gleichen Anlagen und Talente, noch werden alle Kinder gleich gut gefördert. Fatal wirkt sich dabei das aggressive Heischen um Aufmerksamkeit unserer durchkommerzialisierten Umwelt aus, der schon unsere Kleinsten in unterschiedlichem Maße ausgesetzt sind. Sie lenkt von selbstgesteuerten konstruktiven Erfahrungen ab, die unerlässlich für erfolgreiche Bildung sind. Daher sind Kinder schon mit 3 Jahren sehr unterschiedlich selbstständig und lernbegeistert. Weil beim Lernen alles aufeinander aufbaut, verstärken sich diese Unterschiede dann im Laufe der Kindergarten- und Schulzeit.

Die Freude am Lernen hängt ab vom persönlichen Erfolg durch Lernen. Diesen Erfolg können Eltern fördern, indem sie dem Kind Geduld entgegenbringen, während es sich, vielleicht zunächst noch ungeschickt, um den Erfolg bemüht. Kinder möchten auf eigenen Beinen stehen und es hilft ihnen, wenn man ihnen etwas zutraut. Erfolgreiche Eltern werden ihre Kinder ermutigen, sie nicht zu sehr materiell verwöhnen und ihnen etwas zumuten, ohne sie zu überfordern. Sie halten Alkohol, Drogen, Werbung, Filme und Computerspiele von ihnen fern, damit sie nicht von wichtigeren Erfahrungen abgehalten oder gar süchtig werden.

Kleinstkinder brauchen verlässliche Bindung und ein geschütztes, überschaubares Umfeld mit stabilen Rhythmen und Strukturen. Sie sind angewiesen auf authentische eigene Erfahrungen. Erst im Alter von 3 Jahren sind sie ohne Unterstützung fähig, in größeren Gruppen so zu interagieren, dass sie davon profitieren.

Schule soll Kenntnisse und Fertigkeiten vermitteln und erziehen, wobei beides auch Aufgabe der Eltern ist. Leider sind sich Eltern sowie Erzieher und Lehrer in vielen Einrichtungen nicht einig, was vernünftige Erziehung und Bildung ist. Idealisten unterstellen Pragmatikern, keine Ideale zu haben oder sie zu verraten, Pragmatiker halten Idealisten für weltfremd und unprofessionell. Gespräche über gute Erziehung verlaufen hoch emotional und undifferenziert. Dabei sind die Idealisten und Progressiven bei weitem in der Mehrzahl, sie haben sich schon ab den 60er Jahren das Bildungssystem erobert und geben bis heute den Ton an.

Lernen ist mehr als nur Informationen aufschnappen, es bedeutet auch Verständnis zu entwickeln und Fertigkeiten einzuüben. Übung macht den Meister, gerechte Belohnung, verdiente Anerkennung und konstruktive Kritik von vertrauten und geachteten Personen, besonders aber der Lernerfolg selbst, motivieren zu Leistungen. Fertigkeiten und Verständnis erfordern Beständigkeit, Konzentration und Fleiß, aber auch Erholungsphasen und ablenkungsfreie Räume.

Allgegenwärtige Kommunikationsgeräte, aggressive Werbung, packende Filmen, Serien und Spiele setzen enorme Ablenkungsreize, denen junge Menschen kaum widerstehen können. So kommen ihre eigenen körperlichen und mentalen Eigenbewegungen weitgehend zum Erliegen und Schlafmangel verhindert nachhaltiges Lernen.

Wenn man die gute Note oder den Abschluss mit Tricks und Mogelei erreichen kann, bricht die Motivation zum fleißigen Üben schnell weg. Sich vor dem Lernen, dem Anfertigen eigener Arbeiten zu drücken, ist durch das Internet sehr einfach geworden. Hausaufgabe-Portale und -Tauschbörsen stellen schon die meisten Arbeiten zur Verfügung, ansosnten reicht es, wenn einer aus der Klasse die Arbeit macht und in die Kommunikationsgruppe stellt. Die Lernaufgabe ist dann gelöst, ohne dass etwas gelernt wurde.

„Der Ehrliche ist der Dumme“, so ein bekannter Buchtitel, „Sei schlau und stell Dich dumm“ ein anderer. In Computerspielen ist Mogeln (cheating) Teil des Spiels.

Lesen, Schreiben und Rechnen sind nicht nur grundlegende Fertigkeiten zur Erschließung des kulturellen Wissens. Lesen und das damit einhergehende Entwerfen mentaler Vorstellungen, Kopfrechnen und das dadurch entwickelte Konzentrationsvermögen, Textverständnis und Textwiedergabe sind Schlüsselqualifikationen, die logisches Denken, Verständnis, den Blick für das Wesentliche und damit selbstständiges Lernen erst ermöglichen. Denn was nutzen Suchmaschinen, wenn man die Suchergebnisse nicht bewerten kann? Wenn einem die Suchbegriffe nicht einfallen? Was nutzt der Taschenrechner, wenn man der Anzeige blind vertrauen muss, weil man das Ergebnis nicht einschätzen kann? Wenn man den Rechner nicht richtig bedienen kann? Was nutzt alles Wissen, wenn man es nicht in Worte fassen und anwenden kann? Wenn man keine Phantasie hat, keine Initiative entwickelt und nur noch konsumiert?

Früher wurden in den Schulen steinerne Wissensgebäude errichtet, heute werden nur noch Sandburgen für Prüfungen und Abschlüsse gebaut.

In Folge nimmt die Anzahl der Kinder „mit Förderbedarf in den Bereichen sozial-emotionale Entwicklung, Sprechen oder Lernen“ zu. So wünschenswert, sinnvoll, machbar und überfällig die Inklusion von Kindern in den Förderschwerpunkten körperliche und motorische Entwicklung ist, um Berührungsängste abzubauen und diese Menschen teilhaben zu lassen, so kontraproduktiv ist die Inklusion der lernschwachen und verhaltensauffälligen Kinder. Sie machen inzwischen drei Viertel der Förderbedürftigen aus. Ihre Inklusion in die Klassen führt dazu, dass es bald in jeder Lerngruppe fortwährend Störungen gibt, die das Lernen aller Gruppenmitglieder erheblich behindern. So erreicht man vor allem eines, nämlich dass alle Schüler schlechter gefördert werdenBildungsferne, sprachlich, sozial und emotional bisher eher schlecht geförderte Schüler profitieren nicht von besseren Mitschülern. Sie werden durch sie noch mehr demotiviert oder finden in ihnen bestenfalls wehrlose Opfer für ihre „Späße“. Lernwillige und ihrem Alter entsprechend reife Schüler werden durch lernbehinderte, sprachlich, sozial und emotional unreife Schüler in der Klasse durch fortwährende Störungen des Unterrichts am Lernen gehindert. Der Lehrer hat keine Zeit mehr für sie.

Die schwierige Umsetzung der schlecht durchdachten Inklusion und der Streit darum lenken von der eigentlichen Frage ab: Wo liegen eigentlich die Ursachen für die um sich greifenden Schwächen in den Bereichen sozial-emotionale Entwicklung, Lernen und Sprache? Aber es lässt sich ja bekanntlich mit Waren und Dienstleistungen zur Symptomverschiebung und -unterdrückung viel leichter Geld machen als mit der Behebung von Ursachen. Genau wie im Gesundheitswesen setzt die unsichtbare Hand des Marktes auch im Erziehungs- und Bildungswesen völlig falsche Anreize.

Computer für Schüler im Unterricht sind – abgesehen von Ausnahmen wie dem Erlernen des Umgangs mit einem Anwendungsprogramm in der beruflichen Bildung (Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Buchhaltung, CAD, usw.) oder der Ausbildung von IT-Fachkräften, Gestaltern, Mechatronikern, usw. – völlig kontraproduktiv. Computer lenken durch Unterhaltungs- und Marketinginhalte ab, rauben durch notwendige Rüst- und Wartungszeiten wertvolle Zeit, beeinträchtigen Konzentration und Lernklima und demotivieren schließlich durch ihre Überlegenheit in Sachen Schnelligkeit und lexikalischem Faktenwissen. Sie wurden einst geschaffen, um den Menschen arbeitsintensive Routineaufgaben abzunehmen. Lernen aber ist selbstständiges wiederholtes Üben, Begreifen, Verstehen und Anwenden, eben das Entwickeln von Routine.

Zwar gibt es Computerprogramme, die Lernen tatsächlich unterstützen, aber sie können ihre Wirkung meist nicht entfalten, weil die Nachteile überwiegen. Computer taugen als Lernhilfe nur für Menschen, die bereits über eine solide Grundbildung verfügen und von sich aus stark zum Lernen motiviert sind, was nur auf etwa 15-20 Prozent junger Erwachsener zutrifft. Die Abbrecherquote in Fernstudiengängen liegt in Deutschland bei durchschnittlich 92 Prozent.

Seit Jahrzehnten werden immer mehr Abiturienten pro Jahrgang ausgezeichnet, die zwar viel gehört haben, aber immer weniger können. Die Folgen dieses Vorgehens sind ebenso seit Jahrzehnten bekannt. Es gibt immer weniger geeignete Bewerber für Ausbildungsberufe, Kompetenz und Verfügbarkeit von Fachkräften in Dienstleistung, Industrie und Handwerk verringern sich stetig. Die Anzahl wohlklingender, aber zu nichts führender schulischer und akademischer Abschlüsse hingegen steigt und mit ihnen die Zahl enttäuschter junger Menschen, die nach langer Ausbildungszeit keine Wertschätzung erfahren. Um es auf den banalen Punkt zu bringen: Durch gute Noten und Abschlüsse wird man nicht schlau, fähig, erfahren und gebildet, wenn man nicht gelernt, geübt und gearbeitet hat.

Einige alte Weisheiten zum Thema

Einige neuere wissenschaftliche Erkenntnisse

Sucht

Neben verfehlter Bildungspolitik (siehe Josef Kraus: Wie man eine Bildungsnation an die Wand fährt, 2017) sind es die neuen Suchtgefahren, die die Bildung junger Menschen gefährden.

Süchte gehen einher mit Realitätsflucht. Egal ob mit von außen zugeführten Drogen wie Alkohol, Tabletten oder Rauschgift oder mit körpereigenen Drogen, in unnatürlich großen Dosen hervorgerufen durch Filme oder Videospiele – es ist eine Flucht in eine unwirkliche Welt.

Natürlich kann man sich als Erwachsener mal zum Spaß, zur Entspannung oder zur Ablenkung unter (körpereigene) Drogen setzen, sollte sich dabei aber über mögliche schädliche Nebenwirkungen im Klaren sein und Vorsichtsmaßnahmen treffen, damit man nicht auf Dauer den Boden unter den Füßen verliert. Denn Drogen können süchtig machen. Sie lassen einen nicht mehr los. Das wirkt sich dann schließlich verheerend auf das echte Leben aus.

Man kann nur vermissen, was man kennt. Oder: Was man nicht kennengelernt hat, kann einen auch nicht süchtig machen. Allen Süchtigen sei gesagt: Lasst euere Mitmenschen, vor allem aber eure Kinder, mit euren Süchten in Ruhe! Schlimm genug, wenn ihr selbst die Kontrolle verloren habt! Zieht nicht noch andere mit in die Sucht! Besonders Kinder nicht!

Kinder müssen vor Drogen geschützt werden, weil sie bei ihnen besonders verhängnisvoll wirken. Bei Alkohol und erst recht bei illegalen Drogen ist das gesellschaftlicher Konsens. Beim psychoaktiven Methylphenidat schon weniger. Die Gefahren jedoch, die von Filmen und Computerspielen ausgehen, werden immer noch weitgehend verharmlost. Inzwischen haben wir immer mehr depressive und lebensuntüchtige Jugendliche und junge Erwachsene, die von ihren Bildschirmen kaum mehr loskommen, deren Lernerfolge gering sind, weil die fesselnden Medien sie auslaugen und ihnen den Schlaf rauben.

Dass Kinder sich den virtuellen Welten so stark zuwenden, liegt neben der billigen Verfügbarkeit auch daran, dass andere gut daran verdienen und sehr viel Werbung und Lobbyarbeit dafür machen.

Computerspiele und Filme sind von Menschen gemacht. Die Regeln und Chancen darin sind von irgendwelchen mehr oder weniger genialen Leuten willkürlich mit Profitabsicht festgelegt worden. Die gestellten Aufgaben können theoretisch unlösbar sein oder simpel, sinnvoll oder sinnlos. In der Praxis sind sie so gestaltet, dass sie sich dem Gamer anpassen, ihn fordern, aber nicht überfordern, ihn jedenfalls fesseln und ihn so süchtig machen.

Die programmierte virtuelle Welt kann die Naturgesetze berücksichtigen oder sich beliebig darüber hinweg setzen. Sie kann sich jederzeit beliebig ändern. In der echten Welt hingegen gibt es Naturgesetze, die von niemandem umgangen werden können.

Natürlich gibt es Filme und Computerspiele ohne Suchtpotential, auch sogar welche, die hilfreich sind. Aber die spielen beim Umsatz nur eine untergeordnete Nebenrolle. Andere Arten überwiegen: Bei den Filmen führen die Abenteuer- und Actionfilme, die Genres Horror, Mystery, Supernatural, Thriller und Science Fiction. Bei den Videospielen ist es ähnlich, die Action- und Shooterspiele führen den Markt an.

Computerspiele werden entwickelt, Abenteuer - und Actionfilme werden gemacht, um Geld damit zu verdienen. Deshalb sind sie bewusst so gestaltet, dass sie süchtig nach mehr machen. Sie vermitteln dem Zuschauer oder Spieler die Illusion, erfolgreich zu sein und versuchen gleichzeitig, sein Verlangen und Begehren zu erhalten oder gar zu verstärken. Das ist nicht so schwer, man muss nur an die dem Menschen innewohnenden Sehnsüchte und Ängste anknüpfen und seine Gefühle in Wallung bringen. Wie gut das funktioniert, sieht man darin, dass Menschen dazu gebracht werden, mit realem Geld virtuelles Geld für die virtuelle Welt kaufen, um in der virtuellen Welt virtuelle Erfolge zu haben.

Es ist schon erstaunlich, dass auch Menschen, die sonst so viel Wert auf ihre Autonomie legen, sich so gern den völlig willkürlichen Regeln der Filmemacher und Spieleentwickler unterordnen und sich von ihnen so abhängig machen. Bei vielen dieser Computerspiele stellt sich durchaus die Frage, ob man da etwas Geistvolles tut oder ob man sich selbst zu einem bloßen Reflexautomaten degradiert.

Geschäftstüchtige Filmemacher und Spiele-Entwickler sind an nachhaltiger Zufriedenheit nicht interessiert. Sie wollen, dass ihre Kunden ihre Kunden bleiben.

Aus einem harmlosen Zeitvertreib kann schnell eine selbstzerstörerische Sucht werden. Oft entstehen beim Zuschauer oder Spieler mit der Abhängigkeit auch zunehmend Realitätsverlust und Größenwahn.

Actionfilme und die entsprechenden Computerspiele befriedigen vorübergehend immer wieder dieselben archaischen Instinkte und naiven Sehnsüchte:

Dies alles vom Sessel aus. Wann immer man will. Viele dieser Filme und Spiele haben das Potential, Menschen um ihr emotionales Gleichgewicht, ihre Intuition und um ihren Verstand zu bringen.

Von Seiten der Spielemacher werden den Computerpielen gar die Förderung und Entwicklung pädagogisch wertvoller Fähigkeiten zugeschrieben (Gaming can make a better world):

So wird man lt. Jane McGonigal  zu einem „super-empowered hopeful individual“ in der virtuellen Welt, womit wir bei den o. g. archaischen Instinkten und naiven Sehnsüchten angekommen wären. Wie lange diese spielinduzierte Selbstwahrnehmung wohl in der realen Welt Bestand hat? In den immer seltener werdenden Spielpausen müde und ausgelaugt, sind die innere Leere und die relative eigene Bedeutungslosigkeit wohl eher umso krasser. Sehr schnell fällt man auf den harten Boden der Tatsachen. Das kann sehr deprimierend sein. Oder zornig machen.

Beim Computerspiel übt man weder seine Sprache, noch seine Mimik, Gestik, körperliche Geschicklichkeit und Kraft. Man fordert Geist und Körper sehr einseitig. Man bekommt einen Bewegungsstau.

Im wirklichen Leben gelten die Naturgesetze für alle und für immer. Dort wird man mit der Bewunderung, der Abneigung, dem Neid, der Zuneigung, den Launen, der Gleichgültigkeit, der Wertschätzung, der Überlegenheit, den Intrigen und Machtspielen der Mitmenschen real konfrontiert. Man hat zwar keine Superkräfte, aber man hat Talente, die man mehr oder weniger entwickelt hat. Man verfügt über mehr oder weniger Wissen und Können, je nachdem, wieviel Übung und Disziplin man investiert hat.

Auch im wirklichen Leben kann man ein Held sein (allerdings meist ohne Aufsehen zu erregen), jemand Besonderes sein (jeder Mensch ist ein Unikat), einigen anderen etwas voraus haben, mehr wissen als andere, außergewöhnlich begehrt, bedeutungsvoll und wichtig sein für den einen oder die andere, im Beruf erfolgreich sein und Bedeutendes für die Menschheit oder einige Menschen leisten, mal im Mittelpunkt stehen, siegen, vorübergehend reich und mächtig sein, über besondere Kräfte wie Geduld, Empathie und Nervenstärke verfügen, jemanden oder etwas retten.

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Thomas Kroll, Aachen 2018