w e i t e . d e

Was ist eigentlich wesentlich?

Die Welt ist ambivalent, widersprüchlich, kompliziert. Es gibt oft keine eindeutige Antwort. So manches offenbart sich erst im Nachhinein oder auch gar nicht.

Menschen wollen Frieden und entfachen Streit darüber, wie man dorthin gelangt.

Manche Menschen sehnen sich nach Richtlinien, die sie vor Fehlentscheidungen bewahren, lechzen nach Geboten, die sie bei strikter Befolgung vom Fluch der Sünde erlösen. Andere genießen die Freiheiten, die diese Welt ihnen bietet und können auch mit den unlösbaren Ungewissheiten gut leben.

Die einen versuchen ihr Leben lang, alles richtig zu machen und behandeln ihre Mitmenschen freundlich, andere gehen über Leichen.

Manche suchen nach Wahrheit und Erkenntnis, andere versuchen mit einigem Aufwand, ihre Mitmenschen genau daran zu hindern.

Manche reiben sich auf dabei, Dinge ändern zu wollen, die nicht zu ändern sind. Andere leiden unter Umständen, die sie leicht selbst ändern könnten.

Manche bauen sich hingebungsvoll und geduldig etwas auf und freuen sich trotz gelegentlicher Rückschläge an ihren Erfolgen, weniger geduldige hadern mit ihrem Schicksal, ärgern sich über den Erfolg der anderen und möchten am liebsten alles kaputt machen.

Den einen sind Reichtum, Klugheit, Schönheit und Gesundheit in die Wiege gelegt, andere sind nur reich oder nur schön, wieder andere haben weder das eine noch das andere.

Kriegt man, was man verdient? Muss man sich nehmen, was einem nach eigener Einschätzung zusteht? Oder alles was man nur kriegen kann? 

Kann man die Dinge gelassen auf sich zukommen lassen und sich auf seinen Schutzengel verlassen? Oder muss man alles im Griff haben, kontrollieren und pausenlos kämpfen?

Ist der reich, der viel hat? Oder der, der weniger braucht als er hat?

Ist das Leben ein Geschenk? Eine Prüfung auf dem Weg zum Paradies? Eine zufällige und völlig sinnlose Laune der Natur?

Gibt es für mich eine Vorsehung? Ein Schicksal? Eine Bestimmung? Eine Berufung? Eine Aufgabe? Einen Plan? Eine Mission? Bin ich Teil von etwas Größerem?

Geht es um Spaß? Freude? Dabeisein? Oder ums gebraucht werden, nützlich sein, sich verdient machen? Um Erkenntnis? Wissen? Weisheit? Mitgefühl? 

Kann der Mensch, oder soll er gar, seine Natur unterdrücken und ihr eine eigene Idee überstülpen? Kann eine Gesellschaft die menschliche Natur schadlos ignorieren?

Soll eine Gesellschaft für den Menschen, wie er ist, geschaffen sein oder für einen Menschen, wie er laut Ideologie einer Gruppe sein sollte?

Geht es um die Wahrheit oder darum, Recht zu behalten?

Oder geht es um Fortpflanzung? Reichweite? Reichtum? Berühmtheit? Gewinn? Sieg?

Ist dem Machtgewinn alles andere untergeordnet? 

Thomas Kroll 2019